Grandiose Feier zum 70. Geburtstag von Fredy Knie jun.

Bern, 21. August 2016. Sonntägliches Kaiserwetter für einen Circuskönig. Noch verzaubert von der rundum gelungenen Vorstellung dislozieren die geladenen Gäste über die Kornhausbrücke zum Kursaal. Das Gebäude mit der auffallenden Glasfront geht ursprünglich auf eine Sommerwirtschaft im „Laubsägelistil“ zurück. Baujahr 1859. Über die Jahrzehnte erfolgten diverse Umbauten und Erweiterungen. Heute gilt der Kursaal am Hang über der Aare als gefragtes Eventzentrum für Gastfreundschaft auf höchstem Niveau. Mit eleganten, vielfältig nutzbaren Räumlichkeiten. Ein weiteres Plus ist die Lage mit Panoramablick über die Alpen und die schöne Berner Altstadt, die das stolze Attribut „UNESCO Weltkulturerbe“ trägt.

Abgesehen von den verkehrstechnischen Vorzügen für die 560 Gäste aus dem In- und Ausland hat Fredy Knie eine besondere Beziehung zu seinem Geburtsort Bern, wo er die ersten Schuljahre verbrachte. In der Stadt Bern ist auch seine Mutter Pierrette Knie-Du Bois aufgewachsen; eine erfolgreiche Tennisspielerin und Eiskunstläuferin.

Kursaal Arena fürs Festprogramm

Gegen 21 Uhr herrscht Hochbetrieb bei den Liftzugängen. Das grosse Geburtstagsfest findet im 5. Obergeschoss statt. In der Arena, der Starlocation des Hauses. Nomen est omen. Der Name ist Programm und Teil der Familiengeschichte. Man erinnert sich: Bevor die vier Brüder Friedrich, Rudolf, Carl und Eugen Knie im Jahr 1919 den Schweizer National-Circus gründeten, waren ihre Vorfahren mit einer Freiluft-Arena durch die Lande gezogen. Als Himmelreichmänner, wie die kühnen Seiltänzer und Turmseilläufer einst genannt wurden.

Dank übersichtlichem Plan sitzen alle in kurzer Zeit bei gedämpftem Kerzenlicht an ihren Tischen. Verstreute Rosenblätter als Blumenschmuck. Wie schon das feine Apérogebäck ahnen liess, findet Kulinarik vom Feinsten ihre Fortsetzung beim Dinner.

Plötzlich galoppiert eine Pferdeherde auf der riesigen Leinwand vor dem roten Vorhang. Erwartungsvolle Stille. Eine attraktive Sängerin erscheint am Mikrophon. Die wundervolle Stimme gehört Nubya.

Emotionale Momente

Mary-José Knie richtet als Erste gute Wünsche und Worte des Dankes an ihren Lebensgefährten, von dessen Pferdepassion sie sich anstecken liess. Auch die anderen Familienmitglieder formulieren auf ihre Weise die persönliche Wertschätzung und Verbundenheit. Manchmal drängen starke Emotionen an die Oberfläche, die nicht nur den Gefeierten berühren. Die kleine Enkelin Chanel bringt kurz und bündig auf den Punkt, was auch für ihre Eltern (Géraldine und Maycol) und Verwandten gilt: „Tanti auguri. Ti amo.“

Life oder auf Videoeinspielungen sind langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anwesend. Unter ihnen der ehemalige Pressechef Chris Krenger, der nach wie vor mit seinem legendären „Elefantengedächtnis“ zur Verfügung steht, wenn wichtige Details aus früheren Jahrzehnten eruiert werden müssen. Ali Oulouda, pensionierter Pferdestallmeister des Winterquartiers, gibt das in Rapperswil erworbene Wissen im Süden Marokkos weiter. Dort werden Berber Hengste des Königlichen Gestüts für öffentliche Auftritte ausgebildet. Beneidenswert seine Schulstube am Meer, das für die passende Geräuschkulisse sorgt.

Auch Lotti Nock erscheint in einer Filmsequenz. Sie war das letzte Nummerngirl auf der Manegenpiste und die gute Seele hinter der Gardine. Als weitere gute Seele um Umkreis des Jubilars ist Christel Lorenzet zu erkennen. Sie war stets für eine volle Kaffeekanne besorgt, wenn Fredy Knie eine Pause bei den Morgenproben einlegte. Im Saal sitzt Günter Lindig, ehemaliger Sattlermeister. Wieviele hundert Halfter, Geschirre und Panneaux mag er wohl für glanzvolle Schaubilder der vierbeinigen Artisten angefertigt haben? Neben ihm ist Andrea platziert, seine würdige kreative Nachfolgerin. Zuweilen begegnet man ihr auch als Reiterin oder Hundesitterin.

Wie im Circusprogramm reihen sich in bunter Folge unterhaltsame Beiträge aneinander. Eigens für den heutigen Anlass zugeschnitten von bekannten Komikern, Musikern und Vertretern der Kleinkunstbühne. Alle waren schon auf Tournée im Circus engagiert gewesen. So wie Emil, Ursus und Nadeschkin, Masha Dimitri. Pino Gasparinis Gesangsvortrag in italienischer Sprache erfährt stimmliche Unterstützung von David Larible, dem beliebten Clown.

Monaco, das kleine Fürstentum mit der grossen Ausstrahlung für die ganze Circuswelt, ist durch Prinzessin Stéphanie vertreten. Sie präsidiert das von ihrem verstorbenen Vater Fürst Rainier III. ins Leben gerufene internationale Circusfestival von Monte-Carlo. Schon vor zwanzig Jahren durfte Fredy Knie jun. im 3800 Personen fassenden Chapiteau in Fontvieille einen Goldenen Clown als Auszeichnung entgegennehmen. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann verbindet seine Gratulationen mit der Bemerkung, der Circus Knie sei eine Schweizerische Institution.

Die Stunden zerinnen wie im Flug. Der Urhzeiger rückt in Richtung 03 Uhr. Wir greifen zum Blatt mit dem Text zum Mitsingen beim abschliessenden Surprise Song, der mit den Worten endet: „So we thank you for the circus. For giving it to us.“
Ein verdienter Dank für den Circus, der uns immer wieder aus dem Alltag in eine magische Traumwelt entführt.

 

Text: Elsie Streiff