Runder Tisch von ProCirque und Gadjo

Am Samstag, 16. September 2017 fand im Gaswerk in Winterthur der Runde Tisch des Gadjo - Festival für zeitgenössischen Zirkus und ProCirque, dem Schweizerischen Berufsverband der Zirkusschaffenden statt. Rund zwanzig Interessierte Zirkusschaffende, darunter Artisten, Festivalveranstalter und Produzenten folgten der Einladung und tauschten sich intensiv zum Thema "Dramaturgie im Zirkus" aus. Nach einer kurzen Begrüssung durch Stefan Hort (Präsident ProCirque, u.a. ehemaliger Regisseur Cirque Starlight) und Philipp Boë (Sektretär ProCirque, u.a. Regisseur, bekannt von Cyclope) präsentierten zwei Vertreter der Société Suisse des Auteures die neu geschaffenen Stipendien für Zirkusautoren. Sie gingen auf die genauen Konditionen ein und informierten über ein zweites Projekt, welches eine einwöchige Probenarbeit in Belgien zusammen mit einem Dramaturgen ermöglicht. Diese neuen Möglichkeiten wurden seitens der Gäste interessiert diskutiert.

Im Anschluss daran referierte Davide Giovanzana während rund einer Stunde zum Thema "Dramaturgie im Zirkus". Davide ist 1972 in Genf geboren und studierte an der Universität Genf Kunst. Von der Malerei kommend, führte sein Weg immer mehr hin zur visuellen Arbeit auf der Bühne. Heute lebt Davide in Helsinki, wo er zirzensische Inszenierungen und Wissenschaft kombiniert, so zum Beispiel in seiner aktuellen Produktion "Play" wie auch in seinem 2011 uraufgeführten Stück "Quantum Circus". Davide gewährte den Gästen einen spannenden Einblick zu den Grundlagen der Dramaturgie. Er zeigte auf, dass sowohl in zeitgenössischen Zirkusproduktionen wie auch in einzelnen Darbietungen häufig klassische Ansätze verwendet werden, die schon im griechischen Theater eine wichtige Rolle spielten. Die wissenschaftlichen Informationen verband Davide mit Beispielen aus seiner Arbeit. Besonders spannend und für Diskussion sorgend waren seine Ausführungen zu einem verwendeten Stilmittel, bei dem die ganze Rahmenhandlung auf verschiedenen Ebenen aufgebaut wird und der Zuschauer am Schluss mit einem unerwarteten Perspektivenwechsel überrascht wird. Auch über die Daseinsform des Artisten und seiner Tätigkeit auf der Bühne und in der Manege wurde philosophiert.

Im Anschluss an das Referat tauschten sich die anwesenden Zirkusschaffenden während eines Apéros zum aktuellen Stand des Zirkus in der Schweiz aus. ProCirque und das Gadjo-Festival setzen viel daran, den Standpunkt der Zirkusschaffenden in der Schweiz zu vertreten und das Kulturgut Zirkus zu fördern. Der Club der Circus-, Variété- und Artistenfreunde der Schweiz nahm zum ersten Mal an einem runden Tisch teil und hofft, dass viele Zirkusschaffende sich in Zukunft ebenso dazu motivieren lassen. Denn nur gemeinsam kann es gelingen, den Zirkus in seinen unterschiedlichsten Facetten voran zu bringen.

Weitere Informationen beim Gadjo - Festival für zeitgenössischen Zirkus, bei ProCirque und bei Davide Giovanzana.