Programmbesprechung UNIKAT - Das Weihnachtsvariete

Die besten Veranstaltungen entdeckt man häufig dort, wo man sie am wenigsten vermuten würde. So ist es auch bei UNIKAT - Das Weihnachtsvariete, welches noch bis Ende Jahr in Roggwil im Schweizer Mittelland spielt. Hier haben Jennifer und Thomas Studhalter-Gasser einen Ort geschaffen, der zum Träumen, Staunen und Lachen einlädt. Hier treffen artistische Leckerbissen auf kulinarische Köstlichkeiten und alles zusammen wird mit einer grossen Portion Humor verfeinert.

Es ist schon bemerkenswert, was Jennifer und Thomas Studhalter-Gasser in nur vier Jahren aufgebaut haben. Angefangen hat alles mit der Idee, Bellis Circuswelt auch im Winter Leben einzuhauchen. Kurzerhand wurde Geschirr eingekauft, das alte Liliput-Zelt hergerichtet, Artisten verpflichtet und eine kleine, aber feine Dinnershow zusammengestellt. Und das Vorhaben stiess bei den Besuchern auf Begeisterung, so dass man Jahr für Jahr in das eigene Unternehmen investierte. Es kam eine neue Lichtanlage hinzu, die Zeltplane wurde erneuert, das Marketing verbessert und deutlich ins Programm investiert. So erleben wir heute dreizehn Akteure auf der Bühne. Darunter mit dem Diaboloartisten Pranay Werner und dem Zauberer Rafael Scholten gar zwei Preisträger des internationalen Circusfestivals von Monte-Carlo. Eines aber ist seit den Anfängen geblieben: Die Herzlichkeit, mit welcher die Gastgeber und Artisten das Publikum persönlich bedienen!

Jennifer Studhalter-Gasser empfängt ihre Gäste persönlich und bittet sie zum Apéro, wo sich die Artisten gleich selbst vorstellen. Elisabeth Sonderegger, auch gerne Sissi genannt, unterhält das Publikum ebenso mit witzigem Smalltalk wie Baptiste Raffanel, der noch immer auf der Suche nach einer Freundin ist und daher gerne mal ein Selfie mit hübschen Damen schiesst. Im Dinnerzelt, das liebevoll dekoriert ist und im warmen Licht der Kronleuchter erstrahlt, geht der persönliche Service weiter. Die Akteuere auf der Bühne sind auch für den Service des erstklassigen, viergängigen Menüs zuständig. Dieses wird von Thomas Studhalter und Rose Gasser-Belli zubereitet und überrascht mit exquisiten Kombinationen von höchster Qualität. Besonders das Rinderfilet vom Mittelstück ist ein Gedicht.

Auf der Bühne sehen wir den vom Circus Monti bekannten Artisten Chris Pettersen auf dem Schlappseil. Es ist zwischen den beiden Masten gespannt und Chris balanciert darauf im Handstand, macht einen Purzelbaum und balanciert im Schulterstand auch ein Glas mit seinem Goldfisch. Zusammen mit seiner Partnerin Mara Zimmerli sorgt Chris zudem für die spektakulärste Darbietung der Show. Auf der drehenden Leiter, die nur knapp im kleinen Zweimaster Platz findet, balancieren die Beiden etwa im Spagat und im Handstand und rotieren in unterschiedlichsten Formationen. Diese selten gesehene Darbietung sorgt für Begeisterung beim Publikum. Ebensolche löst auch der smarte Diaboloartist Pranay Werner aus. Sicher jongliert er bis zu drei Diabolos, wirft sie hoch unter die Kuppel und fängt sie gezielt wieder auf. Premiere feiert der Deutsche Artist, der stets ein verschmitztes Lächeln im Gesicht hat, zudem mit seiner Jonglagedarbietung mit bis zu sieben Bällen. Komisch, poetisch und verblüffend sind die Auftritte des jungen Niederländers Rafael Scholten, der als Magier das Publikum zum Staunen bringt. Rafael zaubert mit Karten, Bällen und Tüchern, läst Rosen erscheinen und Münzen verschwinden und bezieht für eine witzige Einlage auch eine Zuschauern mitein. Besonders beindruckend ist die Geschwindigkeit, mit welcher Rafael perfekt abgestimmt auf die Musik agiert.

Vom letzten Jahr bekannt sind Franziska Bürki alias Elisabeth Sissi Sonderegger und Baptiste Raffanel, welche wiederum für die Comedy zuständig sind. Mit "All the leaves are brown" bringt Frau Sonderegger zwar eine vom letzten Jahr bekannte Comedydarbietung auf die Bühne. Die Spielfreude und der Wortwitz machen diese allerdings immer wieder zu einem witzigen Intermezzo. Während Frau Sonderegger auf der Suche nach einem Engagement als grosse Sängerin ist, sucht Baptiste eine Freundin und versucht diese mit seiner Stuhlpyramide zu beeindrucken. Als Höhepunkt zeigt Baptiste auf einem Turm aus fünf Stühlen einen sicheren Handstand. Natürlich ebenfalls mit dabei ist Daniel Gasser, der das Publikum als Conferencier charmant unterhält. Die einzelnen Darbietungen werden durch die beiden Tänzerinnen Laura Lanciano und Raffaela Martinetti aus der Schweiz eingeleitet. Sie überzeugen mit vielfältigen und synchronen Tanzeinlagen in sexy Outfits. Während dem Essen begleiten zudem Stepan Dumanskyy am Keybord, die polnische Sängerin Joanna Paula Mazurek und ein Saxophonist das Publikum mit bekannten weihnachtlichen Melodien durch den Abend.

Eine Premiere bringen Jennifer und Thomas Studhalter-Gasser auf die Bühne. Im James-Bond-Look zeigen sie einen Crossbowact, der für Spannung und Nervenkitzel beim Publikum sorgt. Für Thomas ist es der erste Auftritt auf der Varietebühne überhaupt, und er meistert diesen souverän. Seine Partnerin Jennifer schiesst als Kunstschützin durch Karten, halbiert Rosen und löst mit dem Pfeil ihrer Armbrust eine Kettenreaktion mehrere Armbrüste aus, so dass letztlich ein Ballon über Jennifers Kopf getroffen wird. Jennifer konnte diese Darbietung von ihrem Cousin Gengis van Gool übernehmen, welcher dieses Jahr in Bregenz eine Dinnershow anbietet. Nach einer intensiven Probezeit ist Jennifer nun im Besitz einer weiteren, aussergewöhnlichen Darbietung und verblüfft damit die UNIKAT-Gäste immer wieder aufs Neue.

Im ausgiebig zelebrierten Finale erscheinen die Herren in mit weihnachtlichen motiven verzierten Anzügen, während die Damen engelsgleich in Glittzerkostümen erscheinen. Das Ensemble tanzt und freut sich über den zahlreichen Applaus der  Gäste. Man spürt, dass hier mit Herzblut und Leidenschaft gearbeitet wird. Dies überträgt sich sogleich auf das Publikum, welches zufrieden und begeistert den Heimweg antritt. Und wenn auch etwas Wehmut mitschwingt, da der Ausflug in die zauberhafte UNIKAT-Welt schon wieder vorbei ist, so steigt zugleich die Vorfreude auf das grosse 5-jährige Jubiläum im neuen Jahr.

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