Saisonpremière des Cirque Helvetia

Am Donnerstag, 12. März 2020 ist der Cirque Helvetia wie geplant in seine 45. Tournée gestartet. Trotz der Ausnahmesituation haben rund 50 Personen den Weg zum Chapiteau in Bussigny bei Lausanne gefunden und der Premièrenvorstellung beigewohnt.

1975 ist das Gründungsjahr des Cirque Helvetia. Daniel Maillard hat damals das "Arena Variété Helvetia" wieder ins Leben gerufen. Nach einigen Jahren Unterbruch hat der Circusgründer im Jahre 1978 sein erstes Chapiteau mit einem Durchmesser von 12 Metern erworben. 1981 ist Brigitte Maillard als Artistin zum Circusensemble dazugestossen. Die Absolventin der Artistenschule Fratellini ist rasch dem Charme des Unternehmens und seines Direktors erlegen, den sie später auch heiratete. 1985 ist das Geburtsjahr von Julien und 1987 kam Sohn David zur Welt. Bis 2015 prägte die ganze Familie die Helvetia Manege, bevor sich David als Artist selbständig machte. Heute führen Julien und Anaïs das kleine Unternehmen in zweiter Generation.

Die diesjährige Première stand ja alles andere als unter einem guten Stern. Brigitte Maillard hat denn auch verlauten lassen, dass viele verunsicherte Zuschauer in letzter Minute ihren Circusbesuch abgesagt hätten. Das spärlich anwesende Publikum applaudierte umso frenetischer bei den Darbietungen und bedankte sich wohl indirekt bei den Artisten für den unterhalterischen Kontrapunkt in dieser besonderen Lage.

Nach einem bunten Charivari aller Artisten überraschte der irländische Artist, Daragh Merritt, mit einer Hula Hoop. Die für einen männlichen Artisten eher untypische Disziplin meistert er aber sehr gekonnt. Auch in seiner zweiten Darbietung, eine anspruchsvolle Kontorsion auf dem Piedestal, legt der Exzentriker mit ausgefallener Maske ein hohes Niveau an den Tag. Es handelt sich um sein zweites Gastspiel in der Schweiz. Er war vor einigen Jahren in einer Winterproduktion des Circus Royal zu sehen. Aus der letztjährigen Winterproduktion von Helvetia wurde Sylvia Rosat mit ihren Peitschen- und Lassospielen prolongiert. "Whipcracking" nennt sich diese Disziplin in der Fachsprache. Zusammen mit ihrem Partner, Bobby Scala, ist sie in der Helvetia-Manege ja auch keine Unbekannte. Er selber hat sich einerseits einer Comedy-Jonglage verschrieben. Andererseits stellt er auch seine Fähigkeiten als Handstand-Akrobat und auf der Rola Rola unter Beweis. Auch die Familie Maillard hat eine hohe Mangenpräsenz. Julien führt wie gewohnt als Reprisenclown durch das Programm. Vereinzelt wird er in den Entrées von Anaïs assistiert. Zudem haben die Maillards für das Sommerprogramm eine Familiennummer einstudiert, in der auch die dritte Generation mitwirkt. Mit Fahrrädern und sperrigen Aluleitern ist eine kurzweilige Nummer entstanden, bei der alle den Plausch haben, wie es scheint. Anaïs und Brigitte sind auch wiederum in ihrer Luftdarbietung am Sterntrapez zu sehen. Im Neonlicht kommt ihre Darbietung schön zur Geltung.

Nach weniger als zwei Stunden findet die Vorstellung bereits ihren Abschluss. Nun startet das Ensemble in eine Tournée, die wohl noch selten zuvor so ungewiss war wie in diesem Jahr. Ich wünsche der Familie Maillard trotz allem eine erfolgreiche Saison und hoffe, dass das Publikum in wenigen Wochen hungrig nach Unterhaltung ist und das 300 Personen fassende Zelt wiederum in Beschlag nimmt.

UPDATE: Bereits am Samstag wurde das Chapteau wieder abgebaut und die Tournee aufgrund des Coronavirus vorerst pausiert.

 

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Text: Filip Vincenz
Fotos: Natalia Widorski